Luise Stahl: Tara (2020)

Ich denke viel, laut meiner Mutter zu viel, über alles und jeden nach. Ich bin die Nachdenkliche, die Seltsame. Eigentlich bin ich stolz darauf, anders zu sein. Aber es schmerzt mich trotzdem, von meiner eigenen Mutter als verwirrtes Mädchen abgetan zu werden.

Nicht, dass wir sonst ein besonderes Verhältnis gehabt hätten. Aber sie ist die Einzige gewesen, die mir nach meinem Aufwachen wirklich zugehört hat und für mich da war. Meine zahllosen Fragen hat sie allerdings nicht beantwortet.

Sie hatte von Anfang an etwas Vertrautes an sich, nicht wie der Rest um mir herum, der mir einfach nur neu vorkommt. Niemand redet mit mir über meine Vergangenheit. Im Allgemeinen wird einfach so getan, als wäre ich noch immer das gleiche Mädchen, das ich früher einmal gewesen sein muss. Abgesehen von den Blicken, die sie mir zuwerfen, wenn sie denken, dass ich es nicht merke. Mir wurde nur erzählt, dass ich über eine Mondwende lang unauffindbar gewesen bin. Und nicht mal die Königin hat es geschafft, diese Tatsache vor dem ganzen Reich geheim zu halten.

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