Benja Bauroth: Dream (Auszug, 2020)

Innerhalb des Geschäfts sah es genauso aus wie in allen anderen Juwelieren. Voller Vitrinen mit augenscheinlich wertvollem Schmuck. Das Licht schien in einem weißen Ton, sodass die Diamanten an den Schmuckstücken nur so glänzten. In der Mitte des Raumes, an der Wand, stand eine Theke, hinter der sich ein Mann mittleren Alters befand. Er lächelte uns freundlich entgegen. „Wie kann ich Ihnen behilflich sein?“

„Könnten Sie sich diese Kette anschauen?“, fragte ich freundlich, während ich auf ihn zu ging. Dean folgte mir.

„Dann lass mal sehen“, antwortete der Mann.

Ich hob die Kette vorsichtig aus dem Kästchen und überreichte sie ihm. Er legte die Kette auf eine mit Schaumstoff gepolsterte Fläche. „Wollen Sie etwas Bestimmtes wissen?“

„Mich würde interessieren, woraus die Kette besteht und woher sie kommen könnte“, antwortete ich ihm.

„Kein Problem.“ Aus einer Schublade hinter der Theke holte er eine kleine Lupe und so eine Art dünnen Metallstab raus. Mit der Lupe vor seinem Auge bückte er sich nach vorne und untersuchte die Kette. Gespannt beobachtete ich ihn. So bemerkte ich eine kleine Falte an seiner Stirn, die sich bildete. „Hmmm“, kam zwischendurch von ihm. Immer stärker zog er die Stirn kraus. Unsicher ging mein Blick zu Dean, der neben mir stand. Der war damit beschäftigt, durch die Gegend zu starren. „Ich muss ganz kurz was holen gehen“, kam nach einiger Zeit endlich ein vollständiger Satz vom Juwelier. Das „Kein Problem“ wirkte jetzt eher hinfällig. Daraufhin verschwand er hinter einem orange-rot gemusterten Vorhang, der nicht zum restlichen Design passte. Kurz darauf kam er mit einer Holzkiste wieder. Mit einem lauten Geräusch ließ er sie neben meine Kette fallen. Ich konnte nicht erkennen, was sich alles darin befand, aber er nahm ein beschriebenes Blatt Papier und eine kleinere Lupe heraus.

Nervös wippte ich hin und her. Ich hielt mich damit zurück, ihm nicht die Lupe zu entreißen, obwohl ich nicht mal eine Ahnung hatte, was ich dann mit dieser hätte anstellen sollen. Ein Arm legte sich um mich und zog mich näher. Dean streichelte über meine Schulter und lächelte mich an. „Er wird gleich fertig sein.“

„Danke“, flüsterte ich. Ein Räuspern lenkte meine Aufmerksamkeit auf sich. Der Juwelier hatte die Lupe noch in der Hand und guckte uns an. „Darf ich fragen woher Sie die haben?“ Mein Blick glitt zu Dean, bevor ich sagte: „Sie wurde mir geschenkt.“ Es hörte sich besser an, als zu sagen, dass die Kette mir in einem Paket mit unbekanntem Absender vor die Tür gelegt worden war und ein eigenartiger Zettel dazu gelegt wurde.

„Tut mir leid, junge Dame, aber so was habe ich noch nie in meinem Leben gesehen“, seufzte er.

Als die Klingel ertönte und die Tür zu fiel, lehnte ich mich verzweifelt an die Wand. Das war alles so deprimierend. „Er konnte mir nicht mal sagen, woraus das Ding besteht“, seufzte ich und schloss meine Augen. „Und das soll ein Juwelier sein?“

„Wir könnten noch zu einem anderen“, schlug Deans Stimme vor.

„Hey!“, eine laute Stimme ließ mich meine Augen erschrocken öffnen. Ein Mann mit einem schwarzen Kapuzenpullover stand unmittelbar vor uns. Er hatte sich die Kapuze so weit über sein Gesicht gezogen, dass ich fast nichts von seinen Konturen erkennen konnte. In der Gasse war sonst niemand zu sehen. Verwirrt drückte ich mich von der Wand ab und stellte mich neben Dean. „Gibt es ein Problem?“, fragte Dean an den Mann gerichtet. „Nicht, wenn ihr keine falsche Bewegung macht.“ Plötzlich zog er eine Waffe und richtete sie direkt auf uns. „Wehe ihr schreit. Gebt mir euer Geld!“ Erschrocken fuhr ich zusammen. Panik fuhr durch meinen gesamten Körper. Zitternd suchte ich nach meinem Portemonnaie in der Jackentasche. „Langsam!“, zischte der Typ. Was Dean neben mir machte, wusste ich nicht. „Auf den Boden legen!“, forderte er. Ich schmiss mein Geld von mir weg auf den Boden. Dabei fiel das Kästchen mit meiner Kette ebenfalls runter. Scheiße! Schnell hob ich es auf und stopfte es zurück.

„Was war das? Leg das dazu!“

Mein ganzer Körper befand sich in einer Schockstarre und weigerte sich irgendwas zu tun.

„Na los!“

„Siehst du nicht, dass sie nicht kann?“, mischte sich Dean ein.

„Halt dich da raus! Du! Na los. Gib es mir.“

Ich zitterte jetzt offensichtlich überall am Körper. Dean kam schnell auf mich zu. „Bleib stehen!“ Dean hörte nicht und wollte mir helfen. Ein Schuss fiel. Mein Herz blieb stehen. Neben mir fiel eine Gestalt auf den Boden. Ein Schrei verließ meinen Mund und stumme Tränen flossen über meine Wangen. Geschockt ging ich zu Boden. Ich hatte keine Kraft mehr, mich aufrecht zu halten. „Alice!“ Erschrocken öffnete ich meine Augen. „Was ist passiert? Du weinst ja“, Dean schaute mich besorgt an. Ich lehnte an der Wand.

2 Kommentare zu „Benja Bauroth: Dream (Auszug, 2020)

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  1. Sehr rasanter Start, flüssig geschrieben, schnell fühlte ich mich beim Lesen „mittendrin“. Der Auszug macht Lust auf mehr!

    Weiter so Frau Bauroth, mich haben Sie gepackt 😃

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